Die „Pädagogik des sicheren Ortes“ – Grundlagen der Traumapädagogik

Förderbereich 1 – Entwicklungsbegleitung von Kindern



Berufsbild

Die „Pädagogik des sicheren Ortes“ – Grundlagen der Traumapädagogik

Kinder, die traumatischen Erfahrungen ausgesetzt waren (sexuelle und/oder körperliche Misshandlung, Vernachlässigung, Verlusterfahrungen, Unfallbeteiligung, Zeuge von kriminellen Handlungen, Krieg, Flucht etc.) können als Folge vielfältige Reaktionen und Bewältigungsformen entwickeln. Oft sind erst einmal nur scheinbar unpassende Verhaltensweisen auffällig, und der Zusammenhang zu traumatischen Erfahrungen kann erst auf den zweiten Blick erkannt oder erahnt werden.

Traumafolgestörungen können sich auf vielfache Weise zeigen und auswirken. Insbesondere nach langandauernden (Beziehungs-)Traumata können Kinder und Jugendlichen dadurch auffallen, dass sie in ihrer sozialen Kompetenz, in der Empathiefähigkeit, der Nähe-Distanz-Regulation, der Fähigkeit zur Selbstregulation und der Bindungsfähigkeit massiv beeinträchtigt sind. Leistungsanforderungen können schnell zu Überforderung und einem „black-out“ führen, da sie gleichzeitig stark mit innerpsychischen Prozessen beschäftigt sind. Aufmerksamkeit und Kurzzeitgedächtnis sind beeinträchtigt.

Traumatisierte Kinder stellen häufig für alle Berufsgruppen, die mit Ihnen zu tun haben, eine besondere menschliche und fachliche Herausforderung dar. Die Grundhaltung, das Wissen und die vielen Methoden der Traumapädagogik können den pädagogischen Fachkräften und den betroffenen Kindern und Jugendlichen wirksam helfen. Die Traumapädagogik setzt dabei im Alltag, im tatsächlichen Lebensraum der Kinder und Jugendlichen an, indem  „ein sicherer Ort“ (bestehend aus innerer und äußerer Sicherheit) geschaffen wird, an dem sie sich wieder stabilsieren können, regulierende Beziehungs- und Selbstwirksamkeitserfahrungen ermöglicht werden und versäumte Schritte in der Persönlichkeitsentwicklung nachgeholt werden können. Die betroffenen Kinder und Jugendlichen brauchen pädagogische Begleiterinnen und Begleiter, die best. Verhaltensweisen als Folgen traumatischer Erfahrungen erkennen, einen „sicheren Ort“ schaffen und sie dabei unterstützen, die Folgen der traumatischen Erfahrungen zu überwinden.

Die Traumapädagogik, auch ‚Pädagogik des sicheren Ortes’ genannt, überträgt die Erkenntnisse der modernen Psychotraumatologie auf die pädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen und liefert praxisnahe Strategien für die alltägliche Arbeit. Handlungsleitend ist dabei die Fragestellung: Was macht traumatisch belastete Kinder in einem ganzheitlichen Verständnis wieder selbstsicher und stark? Das Wissen über die Traumadynamik hilft, die Funktion von Symptomen besser zu verstehen und mit Traumafolgen angemessen umgehen zu können.

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Ausbildungsinhalte

Inhalt der Fortbildung

Diese dreiteilige Fortbildungsreihe vermittelt grundlegende Kenntnisse über die komplexen Ursachen und Folgen psychischer Traumata in der Kindheit und im Jugendalter und deren Besonderheiten für die Entwicklungs-, Beziehungs- und Bindungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen. Darauf aufbauend werden wir uns mit den Grundlagen der Traumapädagogik und der damit einhergehenden Haltung beschäftigen. Ziel ist es, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernen sowohl traumaspezifische Symptome zu erkennen und sicherer damit umzugehen, als auch im Sinne des traumapädagoischen Konzeptes angemessen und feinfühlig zu intervenieren. Hierbei werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch Interventionen und Übungen zur Stabilisierung und Ressourcenaktivierung kennenlernen. Auch die eigene Rolle als Helfer bzw- Helferin und die Notwendigkeit der Selbstfürsorge (Psychohygiene) wird Thema sein.

Modul 1

Grundlagen der Psychotraumatologie

› Definitionen des Begriffes der psychischen Traumatisierung
› Ereignisse, die Traumafolgestörungen hervorrufen können
› Traumatypologie
› Traumafolgen aus psychischer sowie neurobiologischer Sicht
› Bedeutung der protektiven Faktoren (Resilienz)
› Erste Einblicke in traumaspezifische Symptombilder

Grundlagen der Traumapädagogik

› Einführung in die Geschichte der Traumapädagogik
› Traumapädagogik und Traumapsychotherapie
› Traumapädagogische Ansätze und Haltungen
› Traumaspezifische Anamnese und traumapädagogische Diagnostik
› Bedeutung des „sicheren Ortes“ in der pädagogischen Arbeit
› Notwendige Rahmenbedingungen der traumapädagogischen Arbeit

Modul 2

Bewältigungsmöglichkeiten im pädagogischen Alltag – Methoden der Selbstbemächtigung


Um sein Leben aktiv gestalten zu können, ist ein positives Selbstbild („das bin ich und das kann ich“) notwendig. Traumatisierte Kinder haben jedoch oft kein stabiles Selbstbild. Sie haben nur schwer Zugang zu ihren eigenen Wünschen und Bedürfnissen und verstehen häufig ihre eigenen Verhaltensweisen, Einstellungen, Emotionen und Erinnerungen nicht. Daher ist die Unterstützung der Selbstbemächtigung, d.h. der Herausbildung eines stabilen und zusammenhängenden Selbst, ein zentrales Thema der Traumapädagogik. Wir werden uns diesbezüglich die  z.T. aufeinander aufbauenden Elemente anschauen und die Umsetzung im pädagogischen Alltag erarbeiten.Grundlagen der Traumapädagogik

› Möglichkeiten der Förderung von Selbstverstehen (Psychoedukation)
› Möglichkeiten der Förderung der Achtsamkeit und Selbstwahrnehmung
› Erlernen der Fähigkeit zur Emotionsregulation
› Positive Erfahrungen von Selbstwirksamkeit gestalten

Modul 3

Beziehungsgestaltung und Selbstfürsorge (Psychohygiene)

Beziehungsgestaltung

› Rolle der vergangenen Bindungserfahrungen auf aktuelle Beziehungsgestaltung
› Überblick über Bindungsstile und Bindungsstörungen
› Umgang mit Übertragung und Gegenübertragung im traumapädagogischen Kontext
› Umsetzen von Regeln und Grenzen in der Traumapädagogik

Selbstfürsorge

› Reflektion der arbeitsbedingten Belastungen und persönlichen Resilienzfaktoren (Selbstfürsorge)
› Bedeutung und Umsetzung der Selbstfürsorge
› Kooperation mit anderen Helfersystemen
› Bedeutung des „sicheren Ortes“ für die Fachkräfte

Lehrmethoden

› Vortrag
› Kleingruppenarbeit
› Übungen (Imaginationen, kreative Übungen etc.)
› Fallarbeit
› Rollenspiel

Wir bieten

› eine qualifizierte und praxisnahe Fortbildung durch eine Pädagogin und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin, die seit vielen Jahren  traumatisierte Kinder und Jugendliche sowohl pädagogisch als auch therapeutisch begleitet.
› Intensives Lernen durch begrenzte Teilnehmerzahl
› Ausführliche Seminarunterlagen für Sie als persönlichen Leitfaden

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Dauer/Kosten/Voraussetzungen

Seminargebühr +Seminarunterlagen : Euro 510,00

Für Teilnehmer aus Rheinland-Pfalz: Euro 460,-

 

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Teilnahmebedingungen/Abschluss

Zielgruppe

Päd. Fachkräfte aus den Arbeitsfeldern der Bildungs- und Betreuungseinrichtungen (z.B. ErzieherInnen, Sozial-oder HeilpädagogInnen, Pflegeeltern, LehrerInnen, KinderpflegerInnen u.ä.) und der Kinder- und Jugendhilfe  mit mindestens dreijähriger Berufserfahrung.

Abschluss

Am Ende der Fortbildungsreihe erhalten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein Zertifikat über die erfolgreiche Teilnahme.

Für die Fortbildungsreihe wurde die Anerkennung nach dem rheinlandpfälzischen Bildungsfreistellungsgesetz vom Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur beantragt. (BFG § 7 Abs. 3 Nr. 4) www.bildungsfreistellung.rlp.de

 

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